Wenn die Natur in den Revieren erwacht

(Fototext: Jungtiere und Gelege (Nester mit Eiern) auf keinen Fall berühren. Es handelt sich um keine Findelkinder und die Eltern sind meist nicht weit von ihren Schützlingen entfernt.)

Nach einem teils schneereichen und frostigen Winter, freuen sich die Menschen nun wieder auf wärmere Temperaturen und den Frühling.

Auch das Wild stellt sich um. Die Energiereserven in Form von Fetteinlagerungen gehen nämlich zu Neige und die Jungtiere werden in den nächsten Monaten geboren. Viele Veränderungen in der Natur, ob Geweihverlust mit anschließendem neuen Wachstum desselben oder der Fellwechsel, wird nicht durch die Temperatur gesteuert, sondern über die Tageslänge. Über den längeren Einfall von Licht auf bzw. in das Auge werden Hormone produziert und ausgeschüttet, die wiederum Einfluss auf körperliche Veränderungen nehmen und diese somit steuern.

Winterschläfer wie der Siebenschläfer oder das Murmeltier erwachen – je nach Höhenlage – langsam. Diese Strategie, den Winter zu überdauern, ist aber nicht mit der Winterruhe des Braunbären oder des Dachses zu verwechseln. Denn diese können alleine aufgrund deren Größe gar nicht diese Reduktion des Stoffwechsels und einer enormen Temperaturabsenkung eines echten Winterschläfers schaffen.

Die ersten Tiere, bei denen sich Nachwuchs einstellt und die nicht in Höhlen oder Bauen leben, sind die Stockenten. Der auch verwendete Name „Märzente“ verrät es schon, dass diese Flugwildart demnächst ihre Eier in ein Bodennest legt und zusehen muss, damit diese nicht auskühlen oder von Fressfeinden entdeckt werden.

Auch viele Feldhasen, übrigens die kleinsten Säugetiere, die das ganze Jahr über keine Baue haben, sind bereits Eltern! Denn die sogenannte Rammelzeit war bereits Ende Dezember/Anfang Jänner und die Häsin hat die ersten Junghasen bereits gesetzt oder ist kurz davor. Das Überleben ist für die März-Häschen nicht leicht, denn die nasskalte Witterung und einige Fressfeinde setzen ihnen in der noch deckungsarmen, aber intensiv genutzten Landschaft arg zu. Noch dazu kümmert sich die Mutterhäsin nicht sonderlich um sie. Auch, um keine Feinde anzulocken, kommt sie nur einmal am Tag zum fast geruchsfreien Nachwuchs, um ihn zu säugen. Eine Milch mit etwa 23 % Fettgehalt macht´s möglich!

 

Appell

Jetzt, im angehenden Frühling, wenn auch Menschen wieder vermehrt in die Lebensräume der Wildtiere vordringen und sich an diesen erfreuen, ist es wichtig, dass die tierischen Bewohner trotzdem ihre Ruhe haben dürfen. Vor allem deshalb, da ab jetzt vermehrt Jungwild das Licht der Welt erblickt. Es ist also Tierschutz, wenn vermeintlich verlassene Junghasen NICHT AUFGENOMMEN werden! Sie sind meist nicht verlassen und die Häsin kommt täglich zu ihnen, um sie zu säugen. Auch Gelege sollen auf keinen Fall berührt werden. Die Mutterente beobachtet aus sicherer Entfernung genau die Störenfriede und traut sich nicht zum Nest, solange die Eindringlinge in der Nähe sind und so kühlen die Eier aus…

 

Viele Wildarten in den Niederungen haben dem Winter also bereits getrotzt und nutzen die frische Äsung, also Nahrung auf den Wiesen und Feldern.

 

Lassen wir ihnen die Zeit auch während des Tages, bleiben wir auf den Wegen und erfreuen wir uns über den herrlichen Anblick und die wunderbare Natur in unserem Bundesland – die Tiere, aber auch wir Jägerinnen und Jäger danken es Ihnen!

 

Auf der Website www.fragen-zur-jagd.at eröffnet der OÖ Landesjagdverband interessante Einblicke in die Welt der Jägerinnen und Jäger sowie unserer heimischen Wälder und Wildtiere.   

Text und Foto: Mag. Christopher Böck, Wildbiologe und GF des OÖ. Landesjagdverbandes

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